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Die Maschenprobe beim Stricken – warum sie so wichtig ist und worauf du wirklich achten solltest

  • vor 7 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Die Maschenprobe gehört zu den Dingen, die beim Stricken gerne übersprungen werden.

Aus Ungeduld.

Aus Zuversicht.

Oder aus dem Gedanken: „Das wird schon ungefähr passen.“


Maschenprobe liegt auf einem Tisch

Und manchmal klappt das auch.


Aber oft ist genau hier der Punkt, an dem ein Strickprojekt später nicht so ausfällt, wie es eigentlich gedacht war.


Ein Pullover wird zu weit, ein Ärmel zu lang, ein Shirt sitzt anders als geplant oder das Garn verhält sich nach dem Waschen völlig anders als erwartet.

Nicht weil die Anleitung falsch ist – sondern weil die Maschenprobe nicht richtig beachtet wurde.


Dabei ist sie kein lästiger Zwischenschritt, sondern die Grundlage für ein Strickstück, das am Ende wirklich passt.


Was ist eine Maschenprobe überhaupt?

Die Maschenprobe zeigt dir, wie viele Maschen und Reihen du auf 10 cm erreichst, wenn du mit einem bestimmten Garn, einer bestimmten Nadelstärke und deiner persönlichen Strickweise arbeitest.

Denn genau hier liegt der entscheidende Punkt:Nicht jeder strickt gleich.

Manche stricken eher fest, andere locker. Manche arbeiten sehr gleichmäßig, andere verändern ihre Spannung unbewusst. Und genau deshalb kann dieselbe Anleitung mit derselben Wolle bei zwei Menschen unterschiedlich ausfallen.

Die Maschenprobe ist also dein persönlicher Abgleich zwischen:

  • Anleitung

  • Garn

  • Nadelstärke

  • und deiner eigenen Handschrift beim Stricken


Warum ist die Maschenprobe so wichtig?

Weil sich die Maße eines Strickstücks nicht aus dem Gefühl ergeben, sondern aus der Kombination von Maschenzahl und Maschenprobe.

Ein einfaches Beispiel:

Wenn eine Anleitung auf 20 Maschen = 10 cm ausgelegt ist und du tatsächlich 18 Maschen auf 10 cm hast, wird dein Strickstück breiter.Hast du dagegen 22 Maschen auf 10 cm, wird es schmaler.

Schon ein Unterschied von 1 oder 2 Maschen auf 10 cm kann bei einem Pullover am Ende mehrere Zentimeter ausmachen.

Und nicht nur die Breite zählt: Auch die Reihenprobe beeinflusst das Ergebnis. Sie spielt eine große Rolle bei:

  • Armlochhöhe

  • Raglantiefe

  • Gesamtlänge

  • Ärmel­länge

  • Position von Abnahmen und Zunahmen

  • Teilungsstellen im Muster


Reicht es, nur die Maschen zu messen?

Nein – am besten misst du immer Maschen und Reihen.

Zwar ist die Maschenzahl oft wichtiger, wenn es um die Breite geht, aber die Reihenprobe wird gerne unterschätzt. Gerade bei Oberteilen, Jacken oder Konstruktionen mit Schulterform, Raglan, Rundpasse oder verkürzten Reihen kann auch die Höhe entscheidend sein.

Wenn die Reihenprobe deutlich abweicht, kann es sein, dass:

  • ein Armloch zu tief oder zu flach wird

  • ein Ärmel zu lang oder zu kurz gerät

  • Abnahmen an der falschen Stelle sitzen

  • Proportionen nicht mehr stimmen


Wie groß sollte eine Maschenprobe sein?

Eine Maschenprobe sollte größer als 10 x 10 cm gestrickt werden.

Warum?

Weil die Randmaschen oft nicht so gleichmäßig sind wie das Strickbild in der Mitte. Wenn du nur exakt 10 cm breit strickst und direkt am Rand misst, verfälscht das schnell das Ergebnis. Sinnvoll ist deshalb eine Probe von ungefähr: 15 x 15 cm oder

mindestens 12 x 12 cm

Je nach Garn, Muster und Nadelstärke darf sie auch größer sein.

Wichtig ist, dass du nicht am Rand misst, sondern im ruhigen Mittelbereich.




Wie stricke ich eine Maschenprobe richtig?

Am besten so, wie du später auch das eigentliche Projekt strickst.

Das bedeutet:

  • glatt rechts, wenn das Design glatt rechts gearbeitet wird

  • im Muster, wenn das Muster die Spannung verändert

  • in Reihen, wenn das Projekt in Reihen gestrickt wird

  • in Runden, wenn das Projekt in Runden gestrickt wird


Das wird oft vergessen:Die Maschenprobe sollte immer zur tatsächlichen Strickweise des Projekts passen.

Denn ein Mensch strickt in Reihen oft anders als in Runden.


Maschenprobe in Reihen – worauf du achten solltest

Eine Maschenprobe in Reihen ist passend für Projekte, die später ebenfalls in Reihen gearbeitet werden, zum Beispiel:

  • Schals

  • Tücher

  • offene Jacken

  • einzelne flach gestrickte Teile

  • Vorder- und Rückenteile bei klassischer Konstruktion

Hier strickst du die Probe ganz normal hin und her.


Wichtig:

Wenn dein Projekt später im Muster gearbeitet wird, solltest du die Probe ebenfalls im Muster stricken. Denn Rippen, Strukturmuster, Zöpfe oder Lochmuster verhalten sich anders als glatt rechts.

Gerade Rippen ziehen sich oft zusammen. Zopfmuster benötigen mehr Breite. Lochmuster fallen lockerer. Eine glatt rechts gestrickte Probe würde hier also nicht zuverlässig helfen.


unterschiedliche Maschenproben liegen auf einem Tisch.

Maschenprobe in Runden – ganz besonders wichtig

Wenn dein Projekt später in Runden gestrickt wird, sollte auch die Maschenprobe in Runden gearbeitet werden.

Das ist besonders wichtig bei:

  • Pullovern top down

  • Rundpassen

  • Ärmeln in Runden

  • Mützen

  • Loops

  • Körperteilen, die nahtlos gestrickt werden


Warum? Weil viele Strickerinnen in Runden eine andere Spannung haben als in Reihen.

Der Grund dafür ist einfach: Beim Stricken in Reihen wechseln sich Hin- und Rückreihen ab. Dabei werden rechte und linke Maschen gearbeitet. Viele Menschen stricken linke Maschen lockerer oder fester als rechte. Dadurch verändert sich das Maschenbild.

In Runden strickst du bei glatt rechts fast ausschließlich rechte Maschen. Dadurch sieht das Strickbild oft anders aus und die Probe fällt nicht selten etwas abweichend aus.


Das kann konkret bedeuten:

  • in Reihen passt die Probe

  • in Runden plötzlich zu viele oder zu wenige Maschen auf 10 cm

Und schon stimmt das spätere Maß nicht mehr.


Wie strickt man eine Maschenprobe in Runden?

Du schlägst genug Maschen an, schließt zur Runde und strickst einige Zentimeter in Runden.


Soll die Maschenprobe gewaschen werden?

Ja — unbedingt.

Eigentlich ist die Maschenprobe erst nach dem Waschen wirklich aussagekräftig.


Viele Garne verändern sich:

  • sie werden weicher

  • sie fallen anders

  • sie gehen etwas auf

  • sie ziehen sich leicht zusammen

  • das Maschenbild wird ruhiger

  • die Maße ändern sich


Wenn du nur ungewaschen misst, bekommst du oft nicht das spätere Endergebnis.


Darum gilt: Die Maschenprobe sollte so behandelt werden, wie auch das fertige Strickstück später behandelt wird.


Also zum Beispiel:

  • waschen

  • vorsichtig ausdrücken

  • liegend trocknen

  • eventuell leicht in Form ziehen

Erst danach messen.


Wie messe ich die Maschenprobe richtig?

Am besten mit einem Maßband, einem Maschenproben-Messrahmen oder einem Lineal mit klarer Skala.

Wichtig ist:

  • nicht direkt am Rand messen

  • nicht zu locker schätzen

  • nicht über unruhige Randbereiche zählen

  • möglichst im mittleren Bereich zählen


So gehst du vor:

  1. Lege die gewaschene und getrocknete Probe glatt hin.

  2. Suche einen ruhigen Abschnitt in der Mitte.

  3. Miss 10 cm in der Breite.

  4. Zähle, wie viele Maschen in diesen 10 cm liegen.

  5. Miss anschließend 10 cm in der Höhe.

  6. Zähle, wie viele Reihen auf diese Strecke kommen.


Wenn es leichter ist, kannst du auch über 12 oder 15 cm messen und den Wert auf 10 cm umrechnen. Das ist oft genauer, besonders bei feinen Garnen.


Maschenprobe

Was mache ich, wenn die Maschenprobe nicht stimmt?

Das ist völlig normal. Die erste Probe muss nicht direkt perfekt sein.


Wenn du zu viele Maschen auf 10 cm hast:

Dann strickst du zu fest. Das Strickstück würde zu klein werden. In diesem Fall hilft meist eine größere Nadelstärke.


Wenn du zu wenige Maschen auf 10 cm hast:

Dann strickst du zu locker. Das Strickstück würde zu groß werden. Hier hilft meist eine kleinere Nadelstärke.


Danach strickst du die Probe erneut.

Ja, das kostet etwas Zeit. Aber deutlich weniger, als einen halben Pullover wieder aufzuribbeln.


Und was ist mit der Reihenprobe?

Die Reihenprobe lässt sich nicht immer so leicht anpassen wie die Maschenzahl. Manchmal stimmt die Maschenprobe mit einer bestimmten Nadel perfekt, aber die Reihenprobe weicht etwas ab.

Dann kommt es auf das Projekt an.


Weniger kritisch ist das bei:

  • Schals

  • Tüchern

  • Projekten mit frei anpassbarer Länge

  • einfachen Oberteilen, bei denen du Länge selbst bestimmen kannst


Wichtiger wird die Reihenprobe bei:

  • Raglankonstruktionen

  • Rundpassen

  • Contiguous / Sattelschulter

  • genau konstruierten Armkugeln

  • verkürzten Reihen

  • Mustern mit fest vorgegebenen Höhenverläufen


Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls bewusst anzupassen.


Häufige Fehler bei der Maschenprobe


1. Die Probe ist zu klein

Eine zu kleine Probe wirkt schnell passend, ist aber oft ungenau.


2. Es wird ungewaschen gemessen

Gerade Naturfasern verändern sich nach dem Waschen oft deutlich.


3. Es wird nur die Breite gemessen

Die Reihenprobe wird übersehen, obwohl sie für die Höhe mitentscheidend ist.


4. Die Probe wird anders gestrickt als das Projekt

Zum Beispiel in Reihen statt in Runden – oder glatt rechts statt im eigentlichen Muster.


5. Der Rand wird mitgemessen

Das verfälscht das Ergebnis.


6. Aus Ungeduld wird „ungefähr“ gerechnet

Leider rechnet Stricken nicht mit Hoffnung, sondern mit Maschen.


Muss ich für jedes Projekt eine neue Maschenprobe machen?

Im besten Fall: ja.

Auch wenn du dasselbe Garn schon kennst, können sich Dinge ändern:

  • andere Nadel

  • anderes Muster

  • andere Tagesform

  • andere Strickspannung

  • anderer Projektaufbau

Gerade wenn Passform wichtig ist, lohnt sich eine neue Probe immer.


gespannte Maschenprobe

Lohnt sich die Mühe wirklich?

Ja. Sehr.

Die Maschenprobe ist kein Bremsklotz vor dem eigentlichen Projekt, sondern der Moment, in dem du die Richtung festlegst.

Sie schenkt dir Sicherheit.

Sie hilft dir, Garn und Nadel besser zu verstehen.

Und sie macht die Chance viel größer, dass dein Strickstück am Ende wirklich so wird, wie du es dir wünschst.


Man könnte auch sagen: Die Maschenprobe ist der kleine, oft unscheinbare Anfang, aus dem später ein wirklich gutes Lieblingsstück wachsen kann.



Fazit

Die Maschenprobe ist weit mehr als eine Zahl auf 10 cm. Sie ist die Verbindung zwischen Anleitung, Garn und deiner ganz eigenen Art zu stricken.

Wer sie ernst nimmt, spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern schafft die beste Grundlage für ein Strickprojekt, das am Ende wirklich passt.


Besonders wichtig ist dabei:

  • groß genug stricken

  • passend zum Muster arbeiten

  • in Runden testen, wenn später in Runden gestrickt wird

  • waschen und trocknen

  • Maschen und Reihen messen


Denn ein schönes Strickstück beginnt nicht erst beim eigentlichen Projekt. Es beginnt oft schon bei einer guten Probe.


Mit einer guten Maschenprobe beginnt ein Strickprojekt oft viel entspannter. Passende Anleitungen und schöne Garne findest du in meinem Shop.



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