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Abkürzungen in Strickanleitungen: keine Geheimsprache, nur Strickalltag

  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Manchmal liest sich eine Strickanleitung auf den ersten Blick wie eine kleine verschlüsselte Nachricht.


M, re, li, MM, m1l, dm, k2tog, ssk …


Und irgendwo zwischen „Faden vor die Arbeit legen“ und „Maschenmarkierer abheben“ denkt man kurz:

Bin ich versehentlich in einem Geheimclub gelandet?


Keine Sorge.

Strickabkürzungen sind keine Prüfung. Sie sind einfach kleine Helfer, damit eine Anleitung übersichtlich bleibt.


Strickprojekt mit Wolle, Notizen und einer Abkürzungsliste für Strickanleitungen als hilfreiche Übersicht beim Stricken.
Strickabkürzungen wirken oft komplizierter, als sie sind — mit einer kleinen Übersicht wird vieles schnell verständlicher.

Gut zu wissen:

Am Ende dieses Beitrags wartet eine PDF mit den wichtigsten Strickabkürzungen auf dich — zum Herunterladen, Abspeichern oder Ausdrucken.


Warum gibt es überhaupt Abkürzungen in Strickanleitungen?

Strickanleitungen sollen dich Schritt für Schritt durch dein Projekt führen. Gleichzeitig müssen sie übersichtlich bleiben — besonders dann, wenn sich bestimmte Arbeitsschritte ständig wiederholen.


Statt jedes Mal ausführlich zu schreiben:


„Stricke zwei Maschen rechts zusammen.“

steht dort oft einfach:

k2tog


Das spart Platz, macht Reihen und Runden leichter lesbar und sorgt dafür, dass du schneller erkennst, was gerade passiert.


Am Anfang wirkt das vielleicht etwas technisch. Aber mit der Zeit werden viele Abkürzungen ganz selbstverständlich. Fast so wie Maschen zählen. Nur mit weniger Drama. Meistens.


Die wichtigsten Grundbegriffe

Einige Abkürzungen begegnen dir in fast jeder Anleitung.


M bedeutet Masche.

re oder k steht für rechts stricken.

li oder p steht für links stricken.

HR bedeutet Hinreihe, RR bedeutet Rückreihe.


Das sind die kleinen Grundlagen, auf denen vieles aufbaut. Wenn du diese Begriffe einmal verstanden hast, liest sich eine Anleitung oft schon deutlich entspannter.


Maschenmarkierer: kleine Ringe, große Hilfe

Maschenmarkierer sind beim Stricken manchmal wie kleine Wegweiser.


In meinen Anleitungen findest du zum Beispiel:


MM für Maschenmarkierer

ms für Maschenmarkierer setzen

sm für Maschenmarkierer abheben

rm für Maschenmarkierer entfernen

RAM für Runden-Anfangs-Markierer


Gerade bei Top-Down-Konstruktionen, Raglanzunahmen, Rundpassen oder besonderen Musterbereichen helfen Maschenmarkierer dabei, den Überblick zu behalten.


Sie sagen dir leise:

Hier passiert gleich etwas.


Zunahmen: wenn das Strickstück wachsen darf

Zunahmen sorgen dafür, dass dein Strickstück Form bekommt. Sie lassen Ärmel entstehen, Schultern wachsen, Rundpassen weiter werden oder Linien sichtbar werden.


Häufig findest du zum Beispiel:


m1l – eine links gerichtete Zunahme aus dem Querfaden

m1r – eine rechts gerichtete Zunahme aus dem Querfaden

kfb – eine Masche rechts stricken und aus derselben Masche eine zweite Masche herausstricken

Gerade

m1l und m1r begegnen dir oft paarweise. Sie werden gerne verwendet, wenn Zunahmen eine Richtung haben sollen — zum Beispiel an Raglanlinien oder dekorativen Formungen.


Mein Tipp: Wenn du dir bei m1l und m1r unsicher bist, lies den Arbeitsschritt langsam und schaue dir an, von welcher Seite der Querfaden aufgenommen wird. Das klingt erst kompliziert, wird aber mit ein bisschen Übung sehr logisch.


Abnahmen: wenn Maschen zusammenfinden

Abnahmen formen dein Strickstück in die andere Richtung. Sie reduzieren Maschen, schaffen Linien oder bringen ein Muster in Form.


Typische Abkürzungen sind:


k2tog – zwei Maschen rechts zusammenstricken

k3tog – drei Maschen rechts zusammenstricken

p2tog – zwei Maschen links zusammenstricken

ssk – zwei Maschen nacheinander wie zum Rechtsstricken abheben und rechts verschränkt zusammenstricken


Auch hier geht es nicht nur darum, Maschen zu verringern. Viele Abnahmen haben eine Richtung und beeinflussen dadurch das Maschenbild.


Das ist besonders schön bei klaren Linien, feinen Mustern oder sichtbaren Formgebungen.


Die doppelte Masche: kleiner Knoten im Kopf, große Wirkung


Die Abkürzung dm steht für doppelte Masche.


Sie wird häufig bei verkürzten Reihen verwendet. Verkürzte Reihen helfen dabei, einem Strickstück mehr Form zu geben — zum Beispiel im Nacken, an Schultern oder bei besonderen Konstruktionen.


Bei der doppelten Masche wird die Arbeit gewendet, der Faden nach vorne gelegt, die Masche abgehoben und der Faden so angezogen, dass aus einer Masche optisch zwei Beinchen entstehen.


Das klingt beim ersten Lesen manchmal nach Akrobatik mit Wollfaden.

Aber eigentlich ist es ein ruhiger, klarer Handgriff.


Wichtig ist später nur: Die doppelte Masche wird wieder als eine Masche abgestrickt.

Also nicht erschrecken, wenn sie etwas anders aussieht. Sie soll das.


Umschläge, Farbwechsel und Fadenführung


Einige Kürzel beschreiben kleine Bewegungen, die beim Stricken schnell gebraucht werden:


yo bedeutet Umschlag.

FW steht für Farbwechsel.

FvdA bedeutet Faden vor der Arbeit mitführen.

FhdA bedeutet Faden hinter der Arbeit mitführen.

w bedeutet Arbeit wenden.


Gerade bei Mustern, Lochreihen, Farbflächen oder verkürzten Reihen tauchen solche Angaben auf.


Sie sind klein, aber wichtig. Denn oft entscheidet genau diese Fadenposition darüber, ob ein Muster sauber aussieht oder ob man später denkt:

Hm. Kreativ. Aber war das so geplant?


I-Cord: die schöne Kante mit dem besonderen Abschluss


Ein I-Cord sorgt für eine saubere, runde und oft sehr edle Kante.


In meinen Anleitungen findest du zum Beispiel:

2M I-Cord

oder

3M I-Cord


Dabei werden Maschen gestrickt, zurück auf die linke Nadel geschoben und fortlaufend weitergearbeitet. So entsteht eine kleine gestrickte Kordel direkt an der Kante.


Das dauert manchmal ein bisschen länger.

Aber es lohnt sich.


Ein I-Cord ist wie der schöne letzte Satz in einem Strickstück: ruhig, sauber und mit Haltung.


Du musst nicht alles auswendig können


Das Wichtigste ist: Du musst diese Abkürzungen nicht auswendig lernen, bevor du eine Anleitung beginnst.


Es reicht völlig, wenn du weißt, wo du nachschauen kannst.


Damit du beim Stricken nicht lange suchen musst, habe ich dir die wichtigsten Abkürzungen aus meinen Strickanleitungen zusätzlich als PDF zusammengestellt. Du kannst sie dir herunterladen, abspeichern oder ausdrucken und direkt neben dein Strickprojekt legen.


Ganz ohne Prüfungsgefühl.

Ganz ohne Stricklatein.

Und ohne den Gedanken, dass du „das doch eigentlich wissen müsstest“.


Musst du nicht.


Stricken darf wachsen.

Masche für Masche.

Und Verständnis auch.


PDF mit Abkürzungen herunterladen ↓





















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